Motorrad Exklusiv-Training am 15.04.2017 in Grevenbroich

15.04.2017 Der Morgen begann so, wie es nach der Wettervorhersage der letzten Tage zu befürchten war. Es regnete zunächst noch schwach, später änderte sich das Wetter dann. Es regnete in Strömen.

07:00 Uhr – leider verpennt. Um 07:30 bin ich dann ohne Frühstück bei mir los, den Kollegen einsammeln. Der lag auf dem Weg. (Natürlich lag er nicht wirklich auf dem Weg, er wohnt dort.)

Eigentlich kamen Regenfahrten in meiner Vorstellung über das Motorradfahren gar nicht mehr vor. Zum Glück hatte ich bei der Bekleidung nicht am falschen Ende gespart. Die BMW StreetGuard-Hose zusammen mit einer gut sichtbaren AirShell-Jacke hielten mich zumindest unter der Kleidung trocken. Für die Jacke hatte ich mir schon ein paar Kommentare in denen das Wort „Autobahnmeisterei“ vorkam, anhören müssen. Dafür werde ich wenigstens gesehen.

Teilnehmer des Motorrad Exklusiv-Trainings
Motorrad Exklusiv-Training am 15.04.2017 in Grevenbroich

Der Hinweg führte uns schon eine knappe Stunde durch feinsten Nieselregen. Entsprechend hungrig und fröstelnd (ich hatte meine Thermofutter herausgenommen) kamen wir gerade noch rechtzeitig an. Für einen Kaffee und ein paar Snickers blieb zum Glück noch Zeit.

Punkt 08:30 ging es dann im Kursraum los. Die Gruppe war mit – ich glaube 8 Teilnehmern – relativ überschaubar. Aber es war ja auch der Exklusiv-Kurs. Teilnehmer und Instruktoren stellten sich und ihre Motorräder der Gruppe vor. Jeder sprach über seine Schwachstellen in Bezug auf das Motorradfahren und seine Erwartungen an den Kurs.

Es wurde auch über Reifen, deren Profiltiefen und das Herstellungsdatum gesprochen. Die Vorstellungsrunde dauerte eine knappe halbe Stunde. Jeder Teilnehmer bekam noch ein Funkgerät von der Größe eines der ersten Mobiltelefone mit auf den Weg. Die Ohrhörer konnte man vor Ort kaufen oder selbst welche mitbringen. Dann ging es auf die Strecke. Der Regen hatte sich zwischenzeitlich auch ordentlich vorbereiten können und zur Höchstform gesteigert. Große Pfützen hatten sich auf dem Trainingsgelände gebildet. Für mich, als Wiedereinsteiger nach 25 Jahren Abstinenz, der blanke Horror.

Ein Instruktor vorne weg, fuhren wir in einer kleinen Runde über das Trainingsgelände. Diese Runde (ausschließlich Rechtskurven) sind wir dann wieder und wieder gefahren. Mit der Zeit und mit zunehmender Rundenzahl bekam ich dann auch Vertrauen in die Schräglagenfähigkeit meines Motorrades (BMW S1000R) und meiner Reifen (Bridgestone Battlax S20 EVO) auf nasser Fahrbahn.

Route 1 Grevenbroich
Route für die ersten Übungen des Tages

Anschließend wurden die verschiedensten Übungen gefahren:

Langsam fahren in einer Pylonengasse
Das ging mit meinem Motorrad in der halbwegs sportlichen Sitzhaltung nur mäßig gut. Etwas besser wurde das dann, als die Fußbremse mit zum Einsatz kam. Eine aufrechte Sitzposition, etwa wie auf einer Enduro, wäre wohl die optimale Voraussetzung für diese Übung.

Langsames Wenden auf einer quadratischen Fläche
Mit Pylonen war eine enge, quadratische Fläche abgegrenzt. Man fuhr quasi durch eine Tür in einen Raum und aus derselben Tür wieder heraus. Mein Motorrad hat aber einen Wendekreis wie ein LKW. Die Lenkanschläge sind nicht für enge Kreise konzipiert. Dementsprechend habe ich mich mit dieser Übung auch sehr schwer getan. Es liegt mir nicht eine Kurve zu fahren, während der Lenker auf einer Seite am Anschlag ist. Am Ende hat es dann aber einmal funktioniert.

Ausweichen mit und ohne Anbremsen
Mit zügigem Tempo befuhren wir eine Pylonengasse an deren Ende einem Hindernis ausgewichen werden musste. Kein Problem für mein Motorrad, für die schweren Tourenmotorräder aber schon eher. Alle Übungen wurden mehrfach wiederholt. Das Hindernis wurde dabei immer breiter.

Slalomstrecke
Eine Slalomstrecke aus Pylonen mit größeren oder kleineren Abständen sollte mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durchfahren werden. Diese Übung konnte zeitgleich mit der Vollbremsung gefahren werden, so dass sich die Teilnehmer gut verteilten. Es gab keine langen Wartezeiten.

Vollbremsung
Erstaunlich, was da mit modernen ABS-Systemen so geht. Das Motorrad verzögert auch auf nasser Fahrbahn äußerst brutal. Der Reifen quietscht auf dem Asphalt. Ich staune über die kurzen Bremswege.

Demonstration von Brems- und Anhalteweg
Bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten werden Reaktions- und Anhalteweg vom Instruktor demonstriert. Man wundert sich, wie lang ein Anhalteweg bei einer Geschwindigkeit von 70 km/h so werden kann.

Bis zum Mittag hat es in Strömen geregnet. Es war wirklich nicht angenehm bei diesem Wetter draußen zu sein. Aber für die Übungen gab es nichts Besseres. Alle möglichen Fahrsituationen auch bei Regen meistern zu können, das hat schon was. So etwas hätte ich von mir aus niemals trainiert. Ich fahre doch sonst erst gar nicht los wenn es regnet.

Nach diesen Übungen war es dann ungefähr 12:00 Uhr und damit Zeit für unsere Mittagspause. Ein warmes Essen brachte uns wieder auf Temperatur. Gleichzeitig besserte sich während unserer Mahlzeit doch tatsächlich das Wetter. Die Strecke begann zu trocknen. Genau richtig für den schnelleren Teil des Trainings.

Wir zogen auf einen anderen Teil der Anlage um. Zunächst befuhren wir eine etwas kleinere Strecke mit Gefälle und Steigung. Wieder fuhren die Instruktoren auf der Ideallinie einige Runden voraus, danach fuhren die Teilnehmer selbständig.

Bergab Spitzkehren
Mit einem leichten Einsatz der Hinterradbremse ließ sich das Motorrad  auf abschüssigen Strecken einfach stabilisieren. Immer wieder waren Blickführung und Ideallinie das Thema.

Noch später kam eine langgezogene Linkskurve dazu.

Bremsen in Schräglage
Zunächst sollte das Motorrad auf einer sehr breiten Strecke in der Schräglage abgebremst werden. Das Motorrad verlässt dabei die Ideallinie. Es gab eine kurze Unterbrechung zur Besprechung der Theorie der Aufstellmomente und zu möglichen Gegenmaßnahmen. Dann wurde das Ganze mit Korrekturen am Lenker (Gegenlenken) wiederholt. Bremsen in Schräglage ist also innerhalb gewisser Grenzen möglich, mit einem modernen Schräglagen-ABS sowieso.

Mein Fazit: Das war ein Kurs, der sich richtig gelohnt hat. Der Angststreifen auf meinem Hinterrad ist merklich schmaler geworden und ich weiß jetzt, dass ein bisschen Regen nicht das Ende aller Fahrdynamik bedeutet.

 

 

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